Schöne alte und schöne neue Welt
Das schuldbewusste Haupt zu Boden gesenkt, überlegen sie immer noch, von ihrem langgedienten Verbrenner auf ein neues Elektroauto umzusteigen, um das Welt-Klima zu retten? Dann lehnen sie sich bitte entspannt zurück und blicken sie mit unserer Unterstützung in die Zukunft, um zu erfahren, was auf sie zukommt.
WIEN, 10. November 2025. Zuerst einmal fehlen ihnen ein paar tausend Euro, weil ihnen so spät einfällt, die Welt retten zu wollen - jetzt, wo alle staatlichen Kaufprämien ausgelaufen sind und der Preisunterschied zum Verbrenner immer noch erklecklich ist. Macht eh nichts, weil diese staatlichen Förderungen hätten in den vergangenen Jahren ohnedies auch sie mit ihren Steuern bezahlt. Oder haben sie je gehört, dass die Regierung dafür die Gelddruckmaschine angeworfen hätte?
Egal, jetzt haben sie ihren CO2-Sparboliden schon mal zu Hause stehen. Hoffentlich haben sie beim Kauf damit europäische Arbeitsplätze gesichert und nicht einen jener Boliden erworben, der mit exorbitanter Förderung des chinesischen Staates weit unter den Gestehungskosten auf den Markt geworfen wird, um sich in einen (eventuell in Zukunft wachsenden) Weltmarkt einzukaufen.
Nein, das konnten sie gerade noch vermeiden. Sie kauften ein europäisches E-Auto und nicht einen "große Mauer" oder "bau deine Träume". Nicht zu vergessen jener Chinese, der heute unter dem Namen eines ehemaligen europäischen Sportwagenherstellers - bestehend aus einem Markennamen mit nur zwei Buchstaben - ebenfalls in Europa seine elektrifizierten Produkte verkauft.
Dann dürfen sie natürlich nicht vergessen, dass Regierungen manchmal umschwenken. All das, was ihnen unsere Staatenlenker heute an Vorteilen versprechen, kann übermorgen schon Makulatur sein. Musterbeispiel KFZ-Steuer. Die richtet sich in erster Linie nach der Motorleistung. Die wurde – ja, auch heuer braucht der Staat enorm viel Geld – anfangs „gestundet“, aber inzwischen wird sie eingetrieben, auch von umweltfreundlichen Fahrzeugen. Und da die Motorleistung von E-Fahrzeugen aus unerfindlichen Gründen viel höher ist als tatsächlich benötigt, zahlen sie für die vielen Kilowatt ihres schönen neuen E-Boliden vielleicht sogar mehr als für einen Verbrenner. Mein allerallererstes Auto war für einen Patrioten wie mich natürlich ein gebrauchter Puch 500 – der hatte damals lumpige 16 PS, und damit war man auch auf der Autobahn gern gesehen – zumindest in der rechten Spur. Heute steht so mancher Zeitgenosse mit 200 oder mehr E-kW neben dir im Stau…
Aber sie müssen als künftiger Anstromer statt Angaser auch noch mit weiterem Unbill rechnen: Idealerweise sollten sie – sofern sie ein Eigenheim besitzen – in der Garage eine sogenannte Wallbox besitzen, mit der sie ihr Auto nach dem Heimkommen immer problemlos aufladen können. Ich hoffe, sie haben auch einen guten Elektriker in ihrer Nähe, der diese Wallbox zeitnah und kostengünstig installiert. Anders schaut es freilich aus, wenn ihnen mal unterwegs der Saft ausgeht: So bekrittelte der ADAC in einer deutschlandweit durchgeführten Untersuchung, dass
- E-Tankstellen ihnen zwar vor Ladebeginn den Preis pro Kilowattstunde anzeigen, nicht aber nach Abziehen des Kabels den Gesamtpreis für die eben durchgeführte Ladung. Stellen sie sich den Aufruhr vor, wenn dies an Benzinzapfsäulen auch so wäre! Alle würden fluchend mit dem Taschenrechner in der Hand zum Bezahlen zur Kasse schreiten und die dort Bediensteten verfluchen.
- sich die Strompreise an den Autobahnen deutlich unterscheiden können: ein und dieselbe Menge an Kilowattstunden kann je nach Lokalität dreißig oder achtzig Euro kosten.
- nicht immer sind E-Ladesäulen auf den Autobahnen auch überdacht, Benzinzapfpunkte allerdings schon. Hoffentlich schüttet es nicht wie aus Kübeln, wenn sie ihr Ladekabel anstecken müssen.
- die meisten Ladepunkte auf Autobahnen nur 30 oder 50 Kilowatt Ladeleistung bieten. Damit ist die Mär von kurzen Ladezeiten dahin, die ihnen die Werbung verspricht. Volladen in einer kombinierten Kaffee- und Pinkelpause spielt es nur mit Ladeleistungen von 400 kW. Fünf Säulen von denen, die jüngst auf dem Gelände eines Supermarkts errichtet wurden, an dem ich täglich vorbei muss, prahlen – deutlich gekennzeichnet – damit. Tanken habe ich in den letzten vier Wochen dort erst ein Auto gesehen…
- Also dürfen sie auch auf der großen Urlaubsfahrt – dann, wenn alle fahren und damit Staus auch an den E-Ladepunkten vorprogrammiert sind - mit einigem Unbill rechnen: ich mit meinem alten Dieselbomber brauche etwa zwischen Flensburg und Neapel nur einen Fünf-Minuten-Tankstopp. Und wie viele Übernachtungen brauchen sie mit ihrem schönen neuen Elektriker für diese Distanz?
Da MOTZERπ (November 2025)
email: herrgot@icloud.com
Besser Genieren als Regieren
Es sind harte Zeiten, in denen wir leben: Die Teuerung ist in aller Munde, und praktisch an jedem Tag präsentiert man uns in den Nachrichten eine Schreckensmeldung nach der anderen, die uns offenbar zum Erzittern bringen sollen.
WIEN, 30. Oktober 2025. Beispiel gefällig? Da gibt es in unserem Operettenstaat einen Medienminister. Der ist meines Erachtens auch für die sogenannten freien Medien zuständig. Die darben leider derzeit dahin: die gedruckten Auflagen sind im Sinkflug, aus den digitalen Ausgaben ist kaum Gewinn zu lukrieren, Personal- und Herstellungskosten steigen rapide wie ein Eurofighter beim Abfangen. Alles wartet, dass der Medienminister eingreift, doch was macht der? Er bejubelt den Stapellauf des TV-Senders seiner Partei im Internet, wie wenig das gekostet habe. Dass er damit viele Pensionisten – die Stammwählerschaft seiner Partei, von denen immer noch zahlreiche an Laptop oder Smartphone scheitern, erreichen will – das sagt er freilich nicht. Und alteingesessene Tageszeitungen gehen derweil den Bach runter…
Oder der Klubobmann dieser einen Regierungspartei, der – erwartbar - in seinem Postenschacher-Prozeß NICHT verurteilt wurde und sich in praktisch jeder Sekunde nach diesem Urteil anmerken ließ, welches Riesengebirge ihm danach vom Herzen gefallen sei und der jetzt vermutlich nur noch flippen statt arbeiten wird, weil sein Prozeß neu aufgerollt werden soll! Alles, nur nicht zurücktreten müssen oder gar verurteilt werden und vielleicht auch noch ins Gefängnis müssen!
Wie wär’s aber vielleicht mit diesem neuen Staatssekretär, der für Bürokratie-Abbau sorgen soll? Als erste Äußerung entfuhr ihm, dass er in seinem neuen Dienstwagen hinten nicht sitzen könne, weil der Radstand des Autos um unser aller Steuergeld auch größer ginge. Dann ließ er lange die Wähler im Unklaren, womit er sich tagsüber so die Zeit vertreibt (ehrlich gesagt, welchen langdienenden Beamten soll er schon reines Herzens erklären, dass er demnächst durch KI ersetzt wird). Nein, sondern nach acht Monaten im Dienst folgt eine Website, auf der bürokratiegeplagte Bürger Vorschläge machen können, wo sie der Schuh drückt. Also eine Alibihandlung statt eigener Tatkraft. Das ist ja fast so, als würde ein Formel-1-Fahrer allen Ernstes seinen Teamchef fragen, ob er lieber am Beginn oder am Ende des Feldes herumgurken soll.
Aber alles nix gegen die Grünen: die Anti-Autofahrerpartei hat es in der Vergangenheit doch tatsächlich zum Hauptsponsor der maroden ÖBB gebracht, indem sie dafür sorgte, dass sie das Klimaticket erfand. Dies bewirkte, dass die bislang gut ausgelasteten Züge vor Fahrgästen überquollen und diese den ÖBB enorme Zusatzeinkommen bescherten, weil manch ein Fahrgast – des Stehplatzes überdrüssig – sich dann doch die um lumpige drei Euro wohlfeile Sitzplatzreservierung leistete. Trotzdem werden die Schienenschmirgler auch heuer wieder ein paar hundert Millionen Euro vom Steuerzahler abzweigen, der stets den Komfort des eigenen Autos zu schätzen weiss, obwohl er Züge nur aus der Ferne sieht. Sofern die Züge denn auch kommen, wenn sie fahren sollen. Fragen sie mal die Pendler der Nordbahn…
Dieses unnötige Klimaticket – das unter anderem dazu geführt hat, dass der Besitzer eines steirischen Exemplars wie der eines kärntnerischen Equivalents für die paar lumpigen Kilometer durch den schönen neuen Koralmtunnel nun extra bezahlen müssen, weil am Tunnelende jeweils die andere Tarifzone beginnt, wurde nun vom Rechnungshof durchleuchtet. Das Resultat: die Mehrkosten, die das Klimaticket erforderte, sind eh „nur“ 1,13 Milliarden Euro. Der erzielte Effekt für die Umwelt hielt sich ebenfalls in engen Grenzen: die CO2-Einsparung – für die unsere ehemalige Verkehrs- und Umweltministerin wohl auch ihre eigene Großmutter verkaufen würde – betrug stolze 0,2 (in Worten: NULLKOMMAZWEI) Prozent. Soviel – als würde ein Kohlekraftwerk in China zwei Tage lang an Schluckauf leiden!
Gott bewahre uns in Zukunft vor all unseren Politikern, die nix hackeln und nur unser aller Steuergeld mit vollen Händen aus irgendeinem Fenster werfen. Übergetitelt: Besser Genieren statt Regieren.
da MOTZERπ (Oktober 2025)
Ab sofort eigene email-adresse: herrgot@icloud.com
Der Anti-Gewessler oder
Rasen zum Sozialtarif ...
In den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts gab es im heimischen Radio (noch ohne Ö1 und Ö3, und sogar auf Mittel-, nicht auf ultra kurzer Welle) eine satirische Sendung am Sonntagvormittag unter dem Titel „Watschenmann". In ihr wurden damals schon Missstände, die noch nicht in den Nachrichtensendungen vorkamen, aufs Korn genommen. Persiflierenderweise wurde am Ende des Beitrags stets Wien mit dem Orient in Beziehung gesetzt, und stets ertönte dann aus dem Lautsprecher ein ermattetes „aber bei uns in Bagdad!"
WIEN, 30. August 2025. So viel zur Einordnung. In der Gegenwart ist es hingegen so, dass unsere ehemalige Verkehrsministerin sich den Kampf gegen automobile Raser auf die Fahnen geschrieben hat und damit vorwiegend mittellose Jugendliche, die Omas Erspartes in einem schicken PS-starken Audi oder BMW angelegt haben und noch nicht wissen, dass am liebsten dort von der Exekutive gemessen wird, wo die Gerade schon länger als einen Kilometer ist oder sich für den herannahenden Verkehr uneinsehbare Verstecke befinden, wo es sich halt besonders gut kassieren lässt. Ich vermute stark, dass es im Innenministerium eine streng geheime Liste gibt, welche Landespolizeidirektion den Schnellfahrer der Woche für sich beanspruchen kann.
Und die Strafen sind geschmalzen: der ÖAMTC hat kürzlich einen Auszug aus dem österreichweiten Strafenkatalog präsentiert. Darin werden Strafrahmen und mögliche Konsequenzen wie folgt aufgelistet:
10 bis 20 km/h Geschwindigkeitsüberschreitung kosten 45 bis 100 Euro,
20 bis 40 km/h zu viel kommen auf 60 bis 190 Euro,
50 bis 70 km/h außerorts kosten hingegen 300 bis 5.000 (in Worten: fünftausend)
Hier beginnen auch die Entzugsdelikte – der Führerschein wird für ein Monat eingezogen.
Mehr als 70 km/h außerorts kosten 500 bis 7.500 €, die Lenkberechtigung ist für mindestens drei Monate weg. Das Fahrzeug kann für zwei Wochen oder länger beschlagnahmt werden, bei mehr als 90 km/h Überschuss kann außerdem eine Nachschulung verhängt werden, bei der ein Psychologe dann besonders unangenehme Fragen stellt und auch die richtigen Antworten des Probanden nicht überzeugen.
Dass es auch anders geht, bewies sich unlängst in der Türkei: Dort stellte ein gewisser Abdulkandir Uraloglu kürzlich ein selbstgedrehtes Video ins Netz, das ihn bei einer Kontrollfahrt auf der Autobahn zeigt. Leider platzierte er die Kamera dabei so ungeschickt, dass auf dem Digitaltacho die Zahl 225 zu sehen ist. Erlaubt wären dort allerdings nur 140 km/h. In Österreich wäre das schon das volle Programm mit bis zu 7.500 Euro, drei Monate Entzug , Beschlagnahme des Fahrzeugs und gute Chancen auf ein Meeting mit den Psychologen.
Herr Uraloglu wurde auf seiner Demo-Fahrt passenderweise auch gleich von der Polizei geblitzt und postete zu seinem Raservideo auch gleich die dazugehörige Strafverfügung: 9.267 türkische Lira. Diese Währung ist – wie man in den Medien in letzter Zeit immer öfter hört und liest – in freiem Fall. Umgerechnet bedeutet diese Wahnsinnssumme daher 194 Euro – Rasen zum Sozialtarif gewissermaßen.
Diese Strafe wird Herrn Uraloglu wohl am Allerwertesten vorbei gegangen sein. Denn er bezieht sicherlich als Minister in der Türkei ein gutes Gehalt. Pech halt nur, dass er ausgerechnet für Verkehr zuständig ist.
Ein sogenannter Anti-Gewessler halt. Der sich in aufopfernder Weise um den Zustand seiner Autobahnen kümmert.
da MOTZERπ (August 2025)