„Ich hab’ da nämlich so einiges gehört...“


Sehr verehrte Leserin, geneigter Leser! Diesmal nähert sich ihr Berufs-Nörgler – sprich: da Motzer – mit einem ungewöhnlichen Anliegen: Darf ich mir erlauben, ihrem geschätzten Vorstellungsvermögen auf den Zahn zu fühlen? Ja? Wirklich? Sie sind dieser kleinen Gefälligkeit nicht abgeneigt? Fein! Dann darf ich sie bitten, mit mir gemeinsam die folgenden Situationen gedanklich durchzuspielen (und mir eventuell ihre geschätzte Meinung dazu per E-Mail mitzuteilen).

Szene eins: sie betreten mit einem ziemlich Knurren im Magen den Supermarkt ihres Vertrauens. Sie eilen forschen Schrittes zur sogenannten „heißen Theke“ (sofern der Supermarkt ihres Vertrauens überhaupt eine hat, denn die ist bekanntlich personalintensiv und das kostet heutzutage viel Geld) und ordern hoch erfreut eine Leberkässemmel (oder auch gleich zwei, weil sie sind ja schon ziemlich hungrig). Doch bevor der Verkäufer hinter der heißen Theke sich erkundigen kann, welche Art von Leberkäse er in die Semmeln einlegen soll – („normal, mit Käse oder gar Chili“) – hängen sie jedoch ein paar Zusatzfragen dran: „Sind die Schweinderln für den Leberkäse aber auch artgerecht gehalten worden? Sind die nur mit Bio gefüttert worden? Keine Holzspaltenböden im Stall? Denn man hört da so einiges…“

Szene zwei: sie müssen weg und haben vor Jahren schon beschlossen, dies umweltfreundlich zu tun. Also besteigen sie die nächste Straßenbahn, den nächsten Zug oder den nächsten Bus – natürlich mit Klimaticket – und hätten bei der Fahrkartenkontrolle da wieder ein paar Zusatzfragen: „Ja fährt denn dieses Verkehrsmittel auch umweltfreundlich mit Solarstrom? Ich hab nämlich gehört, dass das heutzutage technisch schon möglich sei. Und warum ist das Klimaticket eigentlich so teuer, wenn wir mit Solarstrom fahren, den wir angeblich von den deutschen Nachbarn fast geschenkt gekriegt haben, weil die im Sommer soviel Solarstrom produzieren, dass sie ihn selbst gar nicht verbrauchen können? Ich hab’ da nämlich so einiges gehört…“

Szene drei: ihr heißersehnter Sommerurlaub ist endlich da. Sie haben am Flughafen den Sekkier-i-di-Check (Copyright: Alex Kristan) erfolgreich hinter sich gebracht, am Gate ihren boarding pass eingelöst und nach Anweisung des Bordpersonals ihren Sitz eingenommen. Dieses bombardieren sie sogleich mit ein paar Fragen: „Hat die Cockpit-Crew überhaupt einen Flugschein? Wurde genügend Kerosin getankt, um unsere destination problemlos zu erreichen? Was ist, wenn wir ein Gewitter umfliegen oder am Ziel ein paar Platzrunden drehen müssen, reicht der Sprit auch dann? Ich hab’ da nämlich so einiges gehört…“

Sie würden bei allen drei Szenerien als Gefragter nur hemmungslos den Kopf schütteln? Sie glauben allen Ernstes, dass sich solche Szenen in der Realität nie so abspielen würden? Weit gefehlt! Und zwar mit weitreichenderen Auswirkungen, als sie sich in ihren kühnsten Träumen wohl vorstellen könnten…

Denn folgendes soll tatsächlich geplant sein: laut der deutschen „Bild“ droht Mercedes angeblich ein Verkaufsverbot in den USA. Denn die Senatoren Bernie Moreno (59, Republikaner) und Elissa Slotkin (49, Demokraten) wollen vernetzte China-Autos vom US-Markt fernhalten. Ab dem 1. Januar 2027 sollen Import, Herstellung oder Verkauf solcher Fahrzeuge in den HYPERLINK "https://www.bild.de/news/ausland/usa/thema-usa-alle-infos-80032950.bild.html"USA verboten werden. Heikel für Mercedes: Der Gesetzentwurf könnte auch Hersteller treffen, die zu mehr als 15 Prozent von Unternehmen aus China, Russland, Iran oder Nordkorea gehalten oder kontrolliert werden.

Bei Mercedes liegt der Anteil bei knapp 20 Prozent: Die BAIC Group hält 9,98 Prozent, der HYPERLINK "https://www.bild.de/news/ausland/china/thema-china-alle-infos-80032882.bild.html"chinesische Investor Li Shufu (62) über „Tenaclou3 Prospect“ weitere 9,69 Prozent. Allerdings sitzen im Vorstand und Aufsichtsrat des Konzerns keine Vertreter der chinesischen Großaktionäre.

Grund der Aufregung der beiden Senatoren: Moderne Autos sammeln sensible Daten und könnten aus der Ferne manipuliert werden. Slotkin nannte Autos aus China „Überwachungsfahrzeuge“. Klar – es interessiert ja sicher hunderttausende in der großen Volksrepublik, auf welchen Gerichten sich zum Beispiel ein amerikanischer Anwalt mit seinem mit Stern-Boliden so herumtreibt, wann er wo wie viel tankt und wie hoch sein Durchschnittsverbrauch ist...

Wird der Entwurf beschlossen, drohen HYPERLINK "https://www.bild.de/themen/organisationen/mercedes-benz/auto-nachrichten-news-fotos-videos-19107984.bild.html"Mercedes massive Auflagen. Im Extremfall könnten betroffene Fahrzeuge vom US-Markt ausgeschlossen werden. Die Fabrikanten der Autos mit dem Stern wollten sich auf Anfrage von „Bild“ bislang nicht äußern...

Doch es geht längst nicht nur um Mercedes: Moderne Autos sind rollende Computer. Software, Chips, Batterie. Überall kann China drinstecken. Auch andere deutsche Hersteller wie BMW oder Volkswagen könnten betroffen sein, etwa über Software, Zulieferer oder ihr China-Geschäft. Und selbst US-Autobauer wie Ford, GM oder Tesla geraten solcherart in den Prüf-Stress. Der Chef des großen US-Autoverbands, John Bozzella, warnt: „Auf die Details kommt es an.“ Noch ist der Entwurf nicht beschlossen. Senat und Repräsentantenhaus müssen zustimmen, dann noch Präsident Donald Trump (79) unterschreiben.

Sollte der das tatsächlich tun, dann würde wohl beim nächsten Zusammentreffen mit seinem chinesischen Freund Xi Jinping dieser nicht mehr so ein freundliches Gesicht aufsetzen wie bisher, meint

da.motzer@web.de


Sind wir noch zu retten?

 

In der Folge möchte ich etwas Neues probieren: Ich stelle der geneigten Leserin, dem geneigten Leser hier ein paar Meldungen aus den Medien zusammen, die in den letzten Tagen durch dieselben geisterten und hundertprozentig meine Aufmerksamkeit erregten. Möge die geneigte Leserin/der geneigte Leser sich darüber eine Meinung bilden – und mir diese dann vielleicht per Rück-Mail an die untenstehende Adresse mitteilen.

 

Ich habe ein neues Auto gekauft – gebraucht natürlich. Kurz nach der ersten Ausfahrt bei Schlechtwetter stellte sich heraus, dass die Scheibendusche gerade das untere Drittel der Windschutzscheibe benetzt hat. Früher war das so: Man stibitzte der Mutter oder der besseren Hälfte aus dem Nähkörberl eine etwas dickere Nadel, steckte sie in die Düse und bewegte somit den Wasserstrahl zeitsparend und stufenlos in die gewünschte Richtung. Der Fortschritt schaut jetzt so aus: Man entriegelt die Motorhaube, öffnet diese und verändert mit einem Innensechskant-Schlüssel (den ja jeder von uns täglich mit sich herum trägt, so einen Innensechskant braucht man ja dutzende Male am Tag) innen an der offenen Haube den Spritzwinkel des Wassers.

Das geht garantiert im ersten Versuch schief, und das Scheibenwaschwasser benetzt das Autodach, aber nicht die Frontscheibe. Also wieder: Haube auf, Schlüssel ansetzen und drehen – im vierten Versuch war bei mir dann das Wasser endlich im oberen Scheibendrittel angekommen und es ist jetzt damit zu rechnen, dass auch auf der Autobahn bei Tempo 130 die Scheibe ordentlich befeuchtet wird. So schaut heute Fortschritt aus!

 

Bei unseren Lieblingsnachbarn in der BRD wurden im März mit 70.663 Einheiten erstmals mehr E-Autos neu zum Verkehr zugelassen als Benziner oder Diesel. 24 Prozent aller Neuzulassungen machen diese schon aus, und speziell Tesla rasiere die Konkurrenz messerscharf. Ob da im März viele Deutsche angesichts der durch den Iran-Krieg explodierenden Spritpreise so viel Kohle im Börserl hatten, um rasch einen elektrisch angetriebenen Zweitwagen zu kaufen?

 

Praktisch zeitgleich monierte die Fachpresse, dass die Auslastung öffentlicher Ladesäulen nur bei mageren 12 Prozent liege. Viele der mittlerweile 200.000 öffentlichen Ladesäulen in der BRD blieben tagsüber ungenutzt, der Ausbau wird trotzdem vorangetrieben. Ladesäulen mit 400 kW und mehr verfügen gar nur über einen Auslastungsgrad von einem (!) Prozent – obwohl zumindest im Osten Österreichs jeder bessere Supermarkt-Parkplatz über vier bis sechs dieser Hochleistungs-Lader verfügt (die hier ebenso kaum jemand Strom verkaufen).

 

Ebenfalls in Deutschland kam es Anfang September 2025 zu einem tödlichen Unfall mit einem E-Auto: ein Tesla-Fahrer kam bei einem Überholmanöver von der Straße ab und prallte gegen einen Baum. Das E-Auto fing sofort Feuer, Fahrer und zwei Kinder starben, ein drittes Kind konnte sich irgendwie selbst befreien und wurde per Hubschrauber schwerverletzt ins Spital geflogen.

 

Jetzt – im April 2026 – hat ein Sachverständiger nun angeblich festgestellt, dass das automatische Tür-Entriegelungssystem des Tesla versagt hatte. Die Türgriffe sind hier nämlich strömungsgünstig und stylish in den Türen versenkt und fahren elektronisch aus. Diese „flush handles“ – wie Tesla das System bezeichnet – bleiben bei einem Ausfall der Stromversorgung oder Defekt jedenfalls verborgen und können von außen nicht geöffnet werden. Zwar gäbe es manuelle Notentriegelungen – aber diese sind von Modell zu Modell unterschiedlich und sicher im Stress schwer zu finden. Bei einem ähnlichen Unfall verstarben bereits 2022 zwei 18-jährige in einem brennenden Tesla S, weil sich die hinteren Türen weder von außen noch von innen öffnen ließen.

 

Da bleiben ein paar schlanke Fragen offen: Müssen nun alle Tesla S weltweit stillgelegt werden? Kommt es endlich zu einer milliardenteuren Rückrufaktion, bis auch das letzte Auto immer mechanisch von außen und innen zu öffnen ist? Wird Tesla-Vater Elon Musk – angeblich der reichste Mensch der Welt - durch die hohen Kosten zu einem Sozialfall in den USA verkommen und seinem Ex-Freund, dem Präsidenten, den er einst beraten hat, schwer auf der (sozialen) Tasche liegen?

 

Zusatzfrage: Könnte vielleicht irgendeine Umweltorganisation, die sich sonst pausenlos über den schweren Rückgang der Gletscher in den Alpen mokiert oder Parkplatzvernichtung durch Baumpflanzungen fordert einmal nachmessen, was passiert, wenn so ein Neuwagen-Lager an hunderten Elektroautos wie kürzlich bei BYD in China zu brennen beginnt? Ist der schwarze Rauch, der sich da wohl in allen TV-Bildschirmen weltweit auftürmte, gesund für die Menschheit? Welche Schadstoffe werden da freigesetzt? Konnte der Brand bis heute schon gelöscht werden oder glosen Glutnester noch immer? Hat China schon ein Gesetz erlassen, dass Elektroautos nur noch zu fünft nebeneinander gelagert werden dürfen?

 

Fragen über Fragen, geschätzte Leserin, geschätzter Leser! Haben sie Antworten auf die im Titel gestellte Frage für mich? Eine Antwort kriegen sie noch von mir:

 

Warum der bekanntlich so strenge deutsche TÜV nicht sofort alle brennverdächtigen Teslas aus dem Verkehr gezogen hat? Antwort: Geht ganz einfach nicht. Denn die EU-Typisierung wurde damals in den Niederlanden durchgeführt. Und nur die Holländer können diese Typisierung offenbar widerrufen. Dauert eh erst fast vier Jahre…

da.motzer@web.de