Kommt an: Bei kaum einem anderen Testfahrzeug mussten wir so viele Fragen beantworten wie bei Hyundais Raumkapsel - der Ioniq 9 polarisiert und überzeugt

Fotos: Franzesco Bolzano

 

Fahrbericht Hyundai IONIQ 9 Performance 4WD Calligraphy

Wenn der Sitz Dich

in die Zange nimmt ...

 

Mit dem Ioniq 9 bringt Hyundai ein Modell auf den Markt, das kaum einzuordnen ist. Wunderwuzzi würde man ja gerne schreiben, aber dieser Begriff könnte u.U. gesellschaftlich nicht so goutiert werden wie wir es gerne hätten.

 

INNSBRUCK - 15.10.2025. Imposant von außen, speziell die Frontansicht gibt sich bullig und wuchtig. Beim Betrachten von der Seite sticht dann doch die Tropfenform ins geschulte Auge und der cWert läßt sich sehen.. Die gute Windkanalarbeit bestätigt dann auch die Höchstgeschwindigkeit von (gut) 200 Kilometer die Stunde.

 

Alles ist sauber verarbeitet, alles sehr robust. Ablagemöglichkeiten gibt es jede Menge: Mittelkonsole (verschiebbar), Fächer und (Schub)-Laden jede Menge und weitere Möglichkeiten, auch versteckt. Ein eigenes Hygienefach wird nicht nur Diabetiker freuen. Das allradgetriebene Fahrzeug ist entsprechend hoch gebaut, dementsprechend ist beim Ausstieg - speziell anfangs - Vorsicht angebracht.

 

Wir durften mit dem Siebensitzer ausfahren, bestückt mit sämtlichen Goodies, die es zu ordern gibt. Es sind nicht mehr viele: Glasschiebedach, kamerabasierte Rückspiegel (innenliegend natürlich) ein Adapter - alles gegen wenig Agio. Luxus pur, von der Ambientebeleuchtung dezent aufgezeigt und von den tollen Massagesitzen eindrucksvoll bekräftigt.

 

Im (im Sinne des Wortes) Testfahrzeug befanden sich kamerabasierte digitale Seitenspiegel, die uns einrahmten und den Raumschiff-Effekt verstärkten. Der ebenfalls kamerabasierte Innenspiegel ist anfänglich ein wenig gewöhnungsbedürftig, speziell bei schlechter Sicht/Dunkelheit. 

 

Ohne IG-L mit Mantel

Autofahrerinnen und Autofahrer, die mit reinen Elektrofahrzeugen in Tirol unterwegs sind, haben es gut. Den längs durch die Alpenbastei verhängten IG-L*-Hunderter (*Immissionsschutzgesetz-Luft) dürfen sie ungestraft rechts liegen lassen. Statt mit 100 km/h zu schleichen, stehen ihnen bzw. ihren Fahrzeugen  gesetzlich 130 km/h zu. Das macht Spaß und fördert so auch die Sicherheit. Anwälte sowie sonstig rechtlich und praktisch Versierte nutzen gerne den (illegalen) Zuschlag und kommen so ungestraft beinahe an die 145 km/h-Grenze. So viel zu Fahrspaß und zum Zeitgewinn.

 

Aber jetzt kommt es: Ab 130 km/h wird der Ioniq 9-Fahrer- zum Schalen-Sitz, Lenkerin/Lenker werden mittels Lendenstützen sanft ummantelt und kommen nicht mehr aus. Ja, wenn mann nur dürfte, was er jetzt wollte ... Sportmodus und dem Strom freien Lauf lassen.

 

Die Rekuperation kann manuell über Schaltwippen beeinflusst werden. Wir bevorzugten die stärkste Stufe, die Ein-Pedal-Stellung. Der linke Fuß ist somit arbeitslos und darf sich über den großzügigen Alu-Ruheplatz freuen. Wir nutzten die diversen Modi: Drive, Eco, Normal und bevorzugt Sport. An Assistenzsystemen ist alles da, was am Markt ist. Den Spurhalteassistenten nutzten wir besonders gerne, unaufgeregt fuhr er mit uns mit. Gerade in Baustellenbereichen, bei diesen engen Spuren die uns die Bürokraten zumuten, wird das mitdenkende Helferlein zum mitlenkenden. Sicher ist sicher!


Stadt- besser geschrieben Park-Auto ist der Ioniq 9 auf Grund seinenr Länge keines, wir haben uns aber auch das schlimmste Testgebiet weitum ausgesucht: Innsbruck, die Vorzeigestadt am grünen Inn, mit all ihren Baustellen. Dafür ist man mit Südkoreas Flaggschiff für Langstreckenfahrten bestens gerüstet, 620 Kilometer Reichweite und das Laden auf achtzig Prozent geht in gut zwanzig Minuten. Ehrenwort, es fährt ja auch ansonsten niemand genau mit Nullkommajosef zur Tanke.

Sieben (Erwachsene) auf einen Streich - zusätzlich jede Menge Platz, zwei Elektromotore, Allradantrieb: der Hyundai Ioniq 9 überzeugt im auto-motor-special-Test in sämtlichen Bereichen

 

Wie auch immer, bei achtzig Prozent standen wieder 480 km an Reichweite in der Nähe des Tachos. Ehrgeiz, die kw/h möglichst niedrig zu halten, wird geweckt. Der Energieverbrauch von 18,7 kW/h auf 100 Kilometer ist schwer ok. Im Sportmodus und scharf gefahren steigt der Verbrauch dann auch schon einmal auf 24,2 kW/h/100km. In Anbetracht der Fahrzeuggröße und der -Leistungen ebenfalls beachtlich.

Kommen wir zum Fahrverhalten: Souverän auf der Autobahn, Querfugen und/oder rumpelige Fahrbahngegebenheiten werden weggefiltert (Niveauregulierung). Kurvenreiche Bergstraßen wieselt er hinauf und hinab, spurtreu und absolut berechenbar. Wankbewegungen sind dem Ioniq 9 fremd. In extremnis hebt sich der Vorderbau innenseitig leicht, das war es schon - erst die - ein wenig nervösen - Warnblinker geben Zeichen, den Übermut einzubremsen.

 

Es gibt kein Hinausdrängen an den Kurvenrand, der Ioniq 9 bleibt stoisch gelassen in der Spur. Die Bremsanlage (vier Scheiben) hat trotz des Gewichts leichtes Spiel. Sie packt beherzt zu ohne giftig zu wirken, da heben wir das fein zupackende ABS (ohne Geratter) aufs Podest. Ausgewogen wie eben das gesamte Fahrzeug.

 

Wir waren zudem bei regnerisch rutschigen Bedingungen (Laub!) unterwegs. Auch da gibt sich der Ioniq 9 keine Blöße, er läßt sich im Kurvengeschlängel spielerisch handeln, erfahren beispielsweise auf einer unserer beliebtesten Strecke, der Brenner-Bundesstraße.

 

Einen Geländeausflug machten wir nicht, obwohl wir den Böschungswinkel - vorne 20,1/hinten 22,9 Grad - kennen, der nigelnagel neue Hyundai IONIQ 9 war uns dafür einfach zu schade. Ausweichen auf Waldwegen fiel uns aber jedenfalls wesentlich leichter als dem Gegenverkehr.

 

Wir fassen zusammen: So sieht die elektrifizierte Zukunft aus. Der Hyundai Ioniq 9 darf unseren Leserinnen und Lesern wämstens empfohlen werden: Familien, Unternehmen, Großraumbüros, (Hütten-) Wirten, beispielhaft aufgezählt. Da wäre noch der Kaufpreis, der mit Luxusabstrichen bei Euro 69.990,- (nicht kartelliert, inkl. aller Abgaben) liegt (Trend Line)..

FRANZ WEICHINGER

Eine Wucht, dennoch strömungsgünstig: Südkoreas Flaggschiff begeistert groß und klein - Franzi, vier Jahre jung, wollte nicht mehr aussteigen: "Tata, ich will auch so ein Auto wie Opa ..."

Fotos: Franzesco Bolzano

TECHNISCHE DATEN

Hyundai IONIQ 9 Performance 4WD C

Motor: Permantmagnet-Synchronmotor

Antrieb: Allrad/einstufige Untersetzung

Leistung: 314,6 kW/428  PS

Vorderachse: 157,3 kW/h, 214 PS

Hinterachse: 157,3 kW/h, 214 PS

Max. Drehmoment: 700 Nm, sofort abrufbar

Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h (Werk)

Beschleunigung: 0 bis 100 km/h in 5,1 sek

Bereifung: 285/45R21 Continental Premium C

Testverbrauch auf 100 km: 18 bis 24,2 kW/h 

Mitwelt: C02-Emission: 0g/km (WLTP)

Anhängelast: 2.500 kg gebr./750 kg ungebr..

Garantie: 5 J. unlimitiert/Batterie 160.00 km

Basispreis: 82.480,-

Testwagenpreis: EUR 85.850,-

(inkl. Sonderausstattung, NoVA und MwSt)

(Stand 10/2025)