Abgezockt (2) oder
ich und Enzo Ferrari
In meiner vorigen Kolumne darüber, wie wir abgezockt werden und heute nur wenigen am Monatsende eine kleine Summe überbleibt, die man aufs Sparbüchel legen könnte, durfte ich ihnen, sehr geehrtes Publikum, berichten, dass zum Beispiel das Ummelden eines Autos 2026 stolze 247 Euro kostet – statt 172,50 noch vor fünf Jahren. Ein Plus von satten 43 Prozent - in Worten: dreiundvierzig!
Es ist natürlich so, dass man auch ohne Auto überleben kann. Aber die Jahreskarte der Wiener Linien haben sie auch von 365 auf weit über 400 Euro hochgetrieben, und auch Bahnfahren wurde 2025 wieder teurer – gut, dafür kriegte man auch eine Zeitersparnis auf der Südbahn zwischen Wien und Villa
Früher, also vor einigen Jahrzehnten, als ich in der Blüte meiner Mannesjahre stand, kam mir als Auto-Interessiertem zu Ohren, dass in unserem südlichen Nachbarland ein gewisser Enzo Ferrari seine Supersportwagen nun nicht mehr selbst lenken dürfe, weil er den 72. Geburtstag (in Worten: zweiundsiebzig) gefeiert habe. Muss der Fabrikant solcher Boliden jetzt mit einem unwürdigen Fiat 500 ins Büro nach Modena fahren, weil ihm die Behörde mehr als 500 PS nicht mehr zutraut? Dabei hätte er doch damals zwei hochbezahlte Fahrlehrer an seiner Seite, die ihm ein paar Tricks zeigen könnten, wie man nicht vom Grauen (sprich: Fahrbahn) runter fährt. Noch dazu gratis, weil er ihnen vermutlich eh genügend Kohle für das Fahren seiner beiden Formel-1-Wagen überwiesen hat.
Jetzt – rund um den jüngsten Jahreswechsel – ist mir diese Geschichte rund um den alten Enzo wieder eingefallen. Denn mir wurde wieder einmal vor Augen geführt, wer uns aller so abzockt.
Denn Mitte Jänner 2026 habe ich mein bestehendes Auto gegen ein jüngeres des gleichen Herstellers getauscht. Gleich sind neben dem Hersteller auch die Typenbezeichnung, die Motorisierung, das Getriebe, das Fahrwerk und die Außenfarbe. Die einzigen Änderungen beziehen sich erstens natürlich auf die Fahrgestellnummer und zweitens die Anhängekupplung – der neue hat keine mehr, und mit dem Alten habe ich in all den vielen Monaten eh nur einmal etwas gezogen (und dieser Hänger war ausgeborgt).
Keine Wellen auf der Wasseroberfläche, werden sie, verehrte Leserin, geehrter Leser nun sagen. Was soll schon noch passieren, werden sie hieb- und stichfest annehmen.
Doch wenn du glaubst, es geht nichts mehr, dann kommt von wo ein Lichtlein her. In meinem Fall war es kein Lichtlein, sondern ein Anruf meines jahrzehntelangen Versicherungsmaklers.
Der schlug Alarm: Bisher war ich bei einer Versicherung aus dem Zentrum Österreichs mit vier Buchstaben im Namen Kunde. Und weil ich als Pensionist schon länger aus Gewohnheit jeden Cent umdrehe, um mir meinen bescheidenen Wohlstand leisten zu können, kam ich bisher mit einer Jahresprämie von rund 750 Euro aus.
Jetzt sei das ein bissl anders, meinte am Telefon mein Agent. Denn die Versicherung mit den vier Buchstaben habe neu gerechnet und herausgefunden, dass ich einen Monat vor der Ummeldung meinen 75. Geburtstag (in Worten: fünfundsiebzig) gefeiert habe. Die müssen sich auch an das Schicksal des Herrn Ferrari erinnert haben bei dieser Gelegenheit, denn – so wurde mir mitgeteilt – würde die Jahresprämie nun statt 750 stolze 1.350 (in Worten: eintausenddreihundertfünfzig) Euronen betragen. Denn, so denkt diese Versicherung wohl, wenn die 75 Kerzen auf der Geburtstagstorte ausgegangen sind, kannst du auch plötzlich nicht mehr Autofahren, verwechselst ständig links und rechts und Gas mit Bremse und bist damit von einem Augenblick auf den anderen ein derartiges Risiko für die Versicherung, dass sie dich ohnehin am liebsten gleich kündigen würde.
Um wieviele Prozent 1.350 mehr ist als 750, das ist die heutige Frage zum Tage. Als Preis für die erste richtige Antwort gibt
es eine Rechenhilfe, die heutzutage wohl keiner mehr kennt.
Und, liebe Versicherung mit dem vier Buchstaben, mich braucht ihr nicht mehr rauszuschmeißen, ich gehe freiwillig. Und zwar zu der, die einen hohen militärischen Rang im Namen hat. Die verlangt von den sogenannten „Alten“ nämlich nur 830 statt 750 Euro pro Jahr – und das kann ich mir sicher leichter leisten.
Fehlt nur noch, diese kleine Geschichte mit meiner automobilen „Schreckensbilanz“ abzurunden: ein einziger Unfall (ohne Verletzte übrigens), weil der Unfallgegner auf einer Bundesstraße im Nebel überholt hat, obwohl er das nicht tun hätte dürfen, aber leider auch der Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Textilindustrie und ich armer Student war. Das war anfangs der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Ein halbes Jahrhundert lang haben sich Versicherungen an mir wenigstens teilweise eine goldene Nase verdient, denn der Rest waren ein halbes Dutzend Lackkratzer, von denen zwei Drittel eh mit Polieren rausgingen und der Versicherung erst gar nicht zu Ohren kamen.
Nur der Kalal-Franz – erinnern sie sich noch – der hat vor vielen, vielen Jahren den Assekuranzen richtig Kohle gekostet: Seit ihm gibt es die sogenannte Haftpflichtversicherung mit oder ohne Leihwagenanspruch.
Da MOTZERπ (Februr 2026)
email: herrgot@icloud.com
Vom Geben und Nehmen
Früher, so heißt es immer, sei alles besser gewesen. Das Leben zum Beispiel. Wer mehr Zeugnisse aufzuweisen hatte als nur jenes aus der Volks- und Hauptschule, konnte vielleicht auch noch studieren und damit wieder weiter oben auf der Karriereleiter einsteigen. Lebensmittel und Mieten waren billig, und wenn man halbwegs Glück hatte, blieben an jedem Ersten des Monats genug Gröschlein vom Gehalt des Vormonats übrig. Und für das Sparbuch – die beliebteste Anlageform von Herrn und Frau Österreicher – gab es noch ordentliche Zinsen.
Dann kam die Finanzkrise – ausgelöst durch den Bankrott einiger Banken von Uncle Sam. Die sogenannten Controller – deren Lebensunterhalt es ist, ihrem Unternehmen, das ihren Gehalt bestreitet – jeden einzelnen möglichen Euro Ersparnis einzuverleiben (aber noch kein Controller hat es gewagt, seinem Gehalts-Spender vorzurechnen, wieviel Kohle erspart würde, wenn er sich selber abschaffen würde!) übernahmen das Ruder, feuerten zigtausende Leute, und – danke, liebe geldgierigen amerikanischen Großbanken – alles wurde schlechter: die Gehälter breiter Gesellschaftsschichten wurden weniger, damit sank die Kaufkraft, und die Industrie wunderte sich, dass der Absatz einbrach. Wir spürten die Bedeutung des bislang im Sprachgebrauch unbekannten Begriffes Rezension mehrmals täglich bis auf die Knochen, und viele von uns wurden plötzlich von Krösussen zu Groscherlklaubern.
Angeheizt wurde diese Rezession noch durch unfähige Politiker, die es vermeiden konnten, ihre noch immer fetten Bezüge jenen der Mehrzahl ihrer Wähler anzupassen – warum wohl auch? Auf der anderen Seite leisten sie sich Peinlichkeiten, die geeignet sind, dass sich auch bei Professor Filzmaier bei der nächsten Wählerstromanalyse Ergriffenheit breitmacht ob der Umstürze.
Da die Regierung die anhaltende Teuerung in Österreich – doppelt so hoch als jene im Rest der EU – nicht und nicht in den Griff kriegt und der Vorsitzende der sogenannten Partei des kleinen Mannes dringend Erfolge bei seinen Wählern braucht, beschließt man, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel des täglichen Bedarfs zu senken. Ob dieser Entschluss der Stein der Weisen ist, bleibt allerdings dahingestellt.
Was ging es also weiter mit dieser Idee? Der Finanzminister schreit auf und bellt in die Mikrofone der Reporter, dass diese Maßnahme aus dem laufenden Budget nicht finanzierbar sei. Ergo müssen neue Einnahmen dafür her, und alsbald werden diese gefunden: eine Plastiksteuer wird ins Auge gefasst. Keine schlechte Idee: sind doch jede fünf Deka Wurst schon in Plastik verpackt, also ist mit reichlich Einnahmen zu rechnen. Dass diese neue Steuer allerdings wieder die leidgeprüften Konsumenten zahlen werden, weil Rewe und Co. Das an die Kunden weitergeben werden, sagt keiner der Regierenden.
Und auch die Chinesen, deren Versandhändler jeden Tag zigtausende Packerl – allesamt in Plastik verpackt - hierzulande an den Mann und die Frau bringen, sollen zahlen. Xi wird sich freuen und gleich Gegenzölle fordern, dass wir mit den Ohren schnackeln werden.
In der Folge stellt sich dann heraus, dass der Ober-Rote seine Rechnung ohne die beiden Koalitionspartner gemacht hat. Die Liste der Lebensmittel, die unter diese Mehrwertsteuersenkung fallen sollen, stehe noch nicht fest, erfuhren wir in der Zeit im Bild: Und als diese Liste dann endlich erschien, war diese dünner als das Kochbuch von Biafra – ein paar Brot- und Gemüsesorten, Milch, Butter und Joghurt, aber kein Fleisch, das war’s dann schon. Und das kommt auch nicht gleich, sondern in rund einem halben Jahr, und man erblödet sich auch nicht, Herrn und Frau Österreicher mitzuteilen, dass sich solcherart jeder Haushalt im Jahr rund 100 (in Worten: einhundert!) Euro ersparen werde. In besseren Zeiten wären Politiker für solche Versprechungen und deren Umsetzung bei ihren Wahlveranstaltungen mit faulen Eiern und Paradeisern beworfen worden…
Ich habe hingegen vor kurzem ein Beispiel dafür gefunden, dass unsere Staatenlenker auf der anderen Seite – nämlich beim Nehmen statt beim Geben – keinen Genierer beim Zugreifen kennen und dies auch noch vor dem Wahlvolk gut zu verheimlichen wissen. Ich habe nämlich vor kurzem ein Auto neu zum Verkehr zugelassen. Genauer gesagt: nur umgemeldet, die Kennzeichen blieb gleich. Das macht man zugegeben nicht jeden Tag, aber ist für diese versteckten Teuerungen, mit denen uns die Regierung Jahr für Jahr Geld aus dem Taschl zieht, symptomatisch.
Ich habe dies im April 2021 zum letzten Mal gemacht und mich schon damals gewundert, dass 172 Euro und fünfzig Cent für einen neuen Zulassungsschein und ein neues §57a-Pickerl – drei Minuten Arbeitszeit - ein stolzer Preis sind.
Und nein, Ende Jänner 2026 hat mich nicht der Schlag getroffen, als ich diesen Vorgang wiederholt habe, weil mich meine Ärzte offenbar mit den Medikamenten gut eingestellt haben. Denn diesmal verlangte man gleich 247 Euro – ein sattes Plus von 43,2 (in Worten: dreiundvierzigkommazwei) Prozent in viereinhalb Jahren für eine Leistung, die über die Jahre gleich geblieben ist: ein Blattl Papier, drei Minuten Arbeitszeit und einen silbrigen Aufkleber.
Da MOTZERπ (Februar 2026)
email: herrgot@icloud.com
Fasching, keineswegs gehscheitert
Mein Gott, dieser Fasching hat Wuchteln (neudeutscher Jugendsprech für Überraschendes, Unvorhergesehenes, Spaßiges) zu bieten, und kein Ende ist in Sicht:
Zuerst stellt sich da die Außenministerin des neutralen Österreich als Ukraine-Fan reinsten Wassers dar, ja hüpft sogar für Fotos in die Nationaltracht des schwer geprüften Landes – ja geht’s eigentlich noch?
Dann diese Regierung, die die Teuerung einfach nicht in den Griff kriegt und nach tagelangem Brainstorming schließlich zur offensichtlichsten Maßnahme greift – der Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel des täglichen Bedarfs. Aber – holla die Waldfee – schon schreit der Finanzminister auf, dass dafür keine Finanzierung im Budget vorgesehen sei.
Da beruhigen ihn die Koalitionspartner, denn sie haben längst die Lösung für dieses Finanzierungsproblem in petto: Nachdem uns die Landesenergieversorger jahrelang mit fetten Stromtarifen abgezockt haben, nimmt man ihnen die paar Millionen, die die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel des täglichen Bedarfs kostet, von ihren Gewinnen, die sie jedes Jahr an die Länderchefs (und damit wohl an den Staat) überweisen, weg. Zumindest für ein Jahr, wie man hört. Danach soll das große Abcashen eh wieder weiter gehen. Und damit das p.t. Publikum nicht aufmuckt, stellen einige Bundesländer-Versorger ihren Kunden zusätzlich noch Strompreissenkungen in Zukunft in Aussicht. Fragt sich nur, wie lange diese Vergünstigungen für die regionalen Stromkunden wohl anhalten werden – sicherlich nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag…
Doch weiter geht die wilde Jagd: Der SPÖ-Parteivorsitzende, der nie mehr glorreiche Zeiten wie unter Kreisky schaffen wird und die Partei immer tiefer in einen Abwärtsstrudel zieht, aus dem langsam kein Entkommen mehr möglich scheint, muss zusätzlich noch eingestehen, dass es momentan gar keine Liste gibt, welche Lebensmittel nun von dieser Mehrwertsteuersenkung denn profitieren werden. Nur einheimische oder auch ausländische? Leider, muss der Anführer der Roten zähneknirschend zugeben, sei diese Liste mit den Koalitionspartnern noch nicht abgesprochen. Und er erblödet sich auch nicht, den Landsleuten via Fernsehinterview mitzuteilen, dass die monatliche Ersparnis dank dieser Maßnahme die schwindelerregende Summe von ungefähr acht (in Worten: ACHT) Euro betragen werde. Da werden die von ihm vertretenen Mindestrentner und alleinerziehenden Mütter Jubelgesänge anstimmen!
Apropos: Wie man als Staat richtig Kohle macht, habe ich kürzlich bei einer simplen Fahrzeugummeldung erlebt. Für einen neuen Zulassungsschein und das §57a-Pickerl casht man im Jänner 2026 stolze 247 Euro! Im Vorjahr waren es angeblich noch 180 € - und die haben die Augen von Raubrittern schon zum Leuchten gebracht.
Aber man braucht gar nicht in die hohe Politik zu spechteln, wenn man die gewissermaßen schon täglich fällige Frage nach dem Kasperl der Woche beantworten soll. Es geht auch einige Hierarchien weiter unten. Denn heuer wurde uns wieder mal gezeigt, was ein ordentlicher Winter so kann.
Eine lang anhaltende Kältewelle ließ unsere Heizkosten explodieren. Tausende erwarten satte Nachzahlungen. In Deutschland setzte es derart starke Schneefälle, dass Autofahrer auf den Autobahnen übernachten mussten, die Bahn in den Stationen und Flugzeuge gegroundet blieben. Das hatten wir schon lange nicht mehr.
Zum Glück blieb es bei uns in der Alpenrepublik moderater – und trotzdem dürfen wir ihnen nun hier den Über-drüber-Super-Kasperl dieses Winters präsentieren: Keinem Autor des Villacher Faschings würde einfallen, was laut „Zeit im Bild“ vor kurzem tatsächlich passiert sein soll.
In Zeiten, wo verantwortungsvolle Fahrer im Winter ihr E-Auto sicherheitshalber stehen lassen (oder nur mit voll geladenem Akku sich auf ein paar Kilometer ins Büro und zurück wagen würden), hat ein Tiroler Fuhrparkverantwortlicher sich nicht gescheut, einen seiner Elektrobusse auf die Strecke zu schicken. Mit fatalem Ergebnis: da sich auf der Route dieses E-Busses völlig überraschend auch Berge befinden, konnte der voll besetzte Bus plötzlich eine gar nicht Eiger-Nord-Wand-ähnliche Steigung erklimmen. Trotz bezahlter Fahrscheine mussten die Passagiere aussteigen und ihren Weg zu Fuß fortsetzen.
Frage daher: Ist jener Mann (von Frauen würde ich so etwas gar nicht erwarten!), der diesen Bus für diese Strecke ausgesucht, bestellt und eingesetzt hat, der Kasperl des Jahres? Oder kommt vielleicht noch ein verheißungsvollerer Kandidat?
Kein Zweifel – dieser Fasching ist keineswegs gehscheitert!
Da MOTZERπ (Januar 2026)
email: herrgot@icloud.com